Richtungsstreit // Gates // mein Twitter fail // BuVo

In der Piratenpartei ist ein Richtungsstreit im Gang, während Vorbereitungen zumindest hier in Sachsen für einen Wahlkampf auf Hochtouren laufen. Der Vorstand der Schleswig-Holsteiner Piraten wird für sein Statement (http://landesportal.piratenpartei-sh.de/vorstandsblog/2014/02/statement-zum-innerparteilichen-richtungsstreit/) von vielen geradezu frenetisch gefeiert. Ist die Partei so tief gespalten? Warum kochen zwei Gates (#bombergate und #fahengate) so unglaublich hoch?

#fahnengate

Das #fahnengate war für mich eines, dass ich überhaupt nicht verstanden hab. Da hing halt eine Fahne. Ich bin froh darüber Teile der Antifa mit in der Partei zu haben. Ich hab sie als engagierte Menschen kennen gelernt, die neben mir auf Demos stehen und die sich den Nazis auch entgegen stellen, wenn ich nicht da bin, was vor habe oder das Wetter schlecht ist. Wieso wurden den Antifas am Beginn des Gates so üble Kommentare auf Twitter entgegen geschleudert?  Warum überhaupt?

Es hat etwas gedauert bis ich das verstanden habe. Es hat tatsächlich eine massiv andere Wirkung, wenn man sich den Parteitag in Bochum (der alles in allem so genial, konstruktiv gut war) im Stream ansieht und nicht vor Ort ist. Für mich war da ein riesiger Balkon und eine Flagge. „Ach, die Antifa ist auch da“, schulterzucken, weitermachen. Für einen Streamgucker hing sie immer genau im Blickfeld. Daher auch die Tweets, die meinten die Antifa hätte die Partei übernommen, wir wäre ihr ausführender politischer Arm.  Leider blieb es nicht bei den Tweets. Antifa wurde als gewaltbereit und ähnliches bezeichnet. Die Antifa-Leute sahen sich wiederum der Rhetorik ausgesetzt, die sie von Springerpresse und Nazis kannte und schlugen reflexartig, verbal zurück. Alle, die gegen uns sind, sind Nazis. Bullshit. Das ist meine Einschätzung, wie das ganze eskaliert ist.

#bombergate

Bombergate lief nach ähnlichem Muster. Da wird der Verdacht aufgeworfen eine Piratin sei das, die in Dresden mit dem dummen Spruch zu Bomber-Harris auf dem Oberkörper und die Diskussion entbrennt. Es folgt wieder der Versuch, das zu verstehen. Wie kommt jemand auf die Idee so etwas zu tun? Meine beste Theorie ist, dass das eine gezielte Provokation in Richtung der Leute ist, die in Dresden am Aufbau des Opfermythos arbeiten. Und dazu Dummheit, Ignoranz und mangelnde Empathie, was so etwas auslöst bei normalen Menschen, die weder gegen den braunen Mob auf die Straße gehen, noch selbst irgendwo in der Nähe einer braunen Ideologie sind. Denn der gewaltsame Tod tausender Menschen im Feuer ist kein Grund zum Feiern. Man kann darüber streiten, ob das militärisch notwendig war und wie viele Täter und wie viele tatsächlich Unschuldige es getroffen hat und ob die Zerstörung der Rüstungsindustrie vielleicht Leid gemindert hat. Abfeiern darf man es trotzdem nicht.

Und genau hier wird es schwierig. Wenn man die Diskussion führt, muss man sehr, sehr genau darauf achten, welche Worte man benutzt. Die Nazis, die vor nicht so langer Zeit zu tausenden durch Dresden marschierten arbeiten nämlich schon lange daran einen Opfermythos aufzubauen. „Zeit Kerzen für die deutschen Opfer anzuzünden“… Wenn man jetzt auf Twitter das dumme Oben-ohne-Foto angreift, sollte man Worte wie „Kriegsverbrechen“ oder „300.000 Tote“ vermeiden, denn dann nutzt man ohne das vielleicht selbst zu wissen, Naziterminologie. Wer erkennt diese Terminologie sofort? Richtig, die Parteilinke! Diese wiederum sieht sofort überall Nazis und tut das kund. 140 Zeichen sind nicht genug, um hier sachlich eine Diskussion zu führen. Allen sei herzlich der lange podcast von Andi Popp und Peter Laskowski empfohlen: https://andipopp.wordpress.com/2014/02/21/basisvektor-folge-6-die-partei-im-bombergate/

mein twitter-fail

Da ich den #orgastreik scheiße finde und das im anderen Blog schon dargelegt habe, aber der erste Teil, „Die Forderungen an die Basis“ gut und unterstützendswert ist, hab ich mir gedacht: Twitter spült so viele coole Links und Gedanken zu mir und gleichzeitig so unendlich viel Müll, das muss sich doch nutzen lassen. Wenn ich mir unterschiedliche Filterbubbles unabhängig voneinander ansehe, sollte sich doch in mancher Diskussion früher Ursachen finden lassen. Man könnte vielleicht gegensteuern, das ganze versachlich. Ich hab dann mal versucht mit Twitterlisten zu arbeiten und das war ein ganz schön heftiger fail meinerseits. Gedacht war, dass ich meine Bubble in einen linken, neutralen und rechten Teil aufteile und gucke, ob sich die Bubbles tatsächlich auch ganz anderes lesen lassen. Als Working title für die Listen hab ich z.B. „rechts_piraten“ genommen und glatt das Häkchen für private Liste übersehen.  Damit hab ich natürlich gleich Menschen getriggert, die in früheren Diskussionen fälschlicherweise als Nazis beschimpft wurden und nun in meiner „rechts_piraten“ Liste sind. SORRY! Das soll halt nur die nicht-linke Seite sein, mehr war das nicht.

Hat es denn was gebracht? Ähm, eher weniger. Das liegt vor allem daran, dass ich die Bubble ja über Monate Schritt für Schritt zusammengebaut habe. Das ist eine sehr subjektive, persönliche Liste mit Ausreißern  zu allen Seiten, kein irgendwie repräsentier Querschnitt. Wenn ich dann im zweiten Schritt Accounts nach wiederum subjektivem Bauchgefühl in verschiedene Listen Werfe, macht es das nicht besser. Außerdem ist keine Seite so eingefahren und versteinert wie es den Anschein hat, da wird munter auch mal die andere Seite ge-retweetet.

Vielleicht würde das funktionieren, wenn ich ein #gate auswerte und die fünf lautesten Accounts beider Seiten herauspicke und mir ansehen, wem sie folgen. Und daraus eine Liste baue. Aber ganz ehrlich, das tue ich mir nicht an. Dann beiße ich irgendwann in meinen Schreibtisch.

BuVo im Minenfeld

Ein paar Worte zum BuVo wollte ich noch loswerden und eine Lanze brechen. Was soll denn der BuVo machen? Pateitage und Fahnen sind Dinge der Versammlung, egal, was der BuVo kommentiert, anordnet, die nächste Versammlung kann das eh machen, wie sie es für richtig hält. Ich persönlich bin dafür keine Parteifremden Fahnen über tischhöhe. Und zum Bombergate? Auf die Medienberichterstattung sollte der BuVo reagieren, indem er sich von der Aktion distanziert und gleichzeitig Anne Helm in Schutz nimmt, solange nichts bewiesen ist. Auch wenn ich die Aktion an sich in Dresden beschissen finde, ist das immernoch eine AKtion von einer vermummten ohne dass die Piraten damit etwas zu tun haben. Einzig der Vorwurf einer Zeitung steht im Raum.

Der BuVo ist in einer blöden Position, er kann nicht immer, wenn sich zwei Gruppen auf Twitter die Köpfe einschlagen auf Zuruf von irgendwas distanzieren. Vielleicht war er etwas zu passiv in den letzten zwei Monaten, ich wüsste aber nicht, wie ich es besser machen könnte.

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